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Kleine Chronik über das Waldschloss Parow in Koserow/Usedom

1903 kaufte Dr. Henrik Parow am Strand von Koserow ein zehn Morgen großes Bauterrain, auf welchem er das Sanatorium errichtete, ein Areal, das sich bis zur Ecke Förster-Schrödter-Straße / Vinetastraße, sowie auf der linken Seite der Maria-Seidel-Straße bis zur Hauptstraße erstreckte.
Erbaut wurde das Sanatorium in den Jahren 1905 bis 1906. Eine Patientin des Doktors, Maria Seidel, spendete einen Betrag für den Aufbau des Sanatoriums. Aus Dankbarkeit ist die Straße, welche vom Sanatorium zur Hauptstraße führte, nach ihr benannt worden.
In dem im Jahr 1906 eröffneten Kursanatorium offerierte Dr. Parow Naturheilverfahren und spezielle Wasserbehandlungen (kalte und warme Seebäder, Massage, usw.).
In einem Badeanzeiger von 1909 steht über Koserow:
„Der Ort eignet sich besonders zum Aufenthalt bei Nervosität, Blutarmut, Scrophülose, englischer Krankheit, Reconvalescenz, Asthma, Bronchitis und bei gewissen Formen von Rheumatismus.
Dr. Parows Ostsee-Sanatorium, in welchem die physikalisch-diätetische Heilweise zur Anwendung kommt, ist Patienten zu empfehlen. Das Sanatorium liegt am Walde, 2. Min. vom Meer, und dadurch werden bei geöffneten Fenstern die Zimmer von der erquickenden reinen Wald- und Seeluft durchflutet.”

1915 wurde im Sanatorium von der deutschen Heeresleitung ein Erholungsheim für lungenkranke Soldaten eingerichtet. Mitte August trafen die ersten Patienten hier ein, ihre Zahl stieg manchmal auf über 100.
Um der absehbaren wirtschaftlichen Notlage infolge der Niederlage des 1. Weltkrieges zu entgehen, ging Herr Dr. Heinrich Parow mit seiner Familie 1919 nach Norwegen und verpachtete das Sanatorium an den Siemens-Konzern bis zum Jahr 1930.

Nach seiner Rückkehr 1930 wurde das Haus wieder als Sanatorium unter wirtschaftlicher Leitung der ältesten Tochter des Dr. Parow, Marie Parow, geführt.Ab ca. 1939, übernahm das Haus vorübergehend die Funktion eines Aufnahmeheimes für Leute aus dem Baltikum. Die Betreuung übernahmen Diakonissen von der Insel Usedom.
Während des 2. Weltkrieges fanden Kinder aus Berlin sowie auch die Ehefrau und Kinder des ältesten Sohnes, des Berliner Arztes Dr. Julius Parow, die durch die Bombardierungen der Alliierten bedroht waren, Schutz und Erholung im Sanatorium.
Während der letzten zwei Kriegsjahre diente das Heim als Marinelazarett und zur Aufnahme von ausgebombten Mitarbeitern der Waffenschmiede Peenemünde.

Im März 1945 flüchteten die hier versammelten Mitglieder der Familie Parow nach Schleswig-Holstein, ab August 1946 wurde das Haus als Kindersanatorium unter der ärztlichen Leitung von Dr. Julius Parow, dem Sohn des Erbauers, wieder eröffnet. Die wirtschaftliche Leitung übernahm seine Schwester Marie Parow zusammen mit ihrer Schwester, der ehemaligen Greifswalder Schauspielerin Gertrud Parow. Die ersten Kinder kamen aus dem Braunkohlegebiet Sachsen-Anhalt.
1947 wurden vom Sozialamt Halle-Merseburg asthmakranke Kinder ins Sanatorium zur Behandlung bei dem Asthmaspezialisten Dr. Julius Parow geschickt. Dieser Betrieb wurde bis Ende 1952 von der Familie trotz aller widrigen Umstände mit großen persönlichen Einsatz aufrecht erhalten.

Im Januar 1953 fiel das Sanatorium dann der „Aktion Rose” zum Opfer. Auf der Grundlage eines fadenscheinigen, jeder Rechtsstaatlichkeit Hohn sprechenden Gerichtsurteils wurde der gesamte Grundbesitz der Familie Parow in Koserow eingezogen und beide Schwestern ins Zuchthaus Bützow gesperrt.
Die „Aktion Rose” hatte zum Ziel, alle größeren Hotels und Pensionen entlang der ostdeutschen Ostseeküste dem Staat als FDGB-Urlaubsquartiere einzuverleiben Nach der Entlassung aus dem Zuchthaus bauten sich beide Schwestern eine neue Existenz in Trondheim/Norwegen auf, wo bereits vor dem Krieg ein Bruder und eine Schwester von ihnen wohnten.
Dr. Julius Parow und seine Familie sind rechtzeitig vor der „Aktion Rose” nach West-Berlin geflohen.

Ab 1953 wurde das Sanatorium als FDGB-Ferienheim unter dem Namen „Walter Ulbricht” für ebenfalls asthmakranke Kinder aus dem sächsischen Braunkohle- und Industriegebiet weitergeführt. Später wurde es als reines FDGB-Urlaubsquartier mit winterlichem Kurbetrieb genutzt.
In der Zeit bis zur Wende 1989 fanden mehrere das Gebäude verunstaltende Umbauten statt, der großzügig angelegte Garten wurde zwecks Unterbringung weiterer Urlauber mit Bungalows verschiedener Typen bebaut. Die letzte größere Rekonstruktion fand 1975 statt.

Im Frühjahr 1990 wurde das „Walter-Ulbricht-Heim” noch unter alter FDGB-Leitung zum Zwecke einer besseren Werbung in „Ferienhotel Waldschloss” umbenannt.
Zum 02.01.1991 ließ die Treuhandanstalt Berlin, der das Objekt als Sondervermögen zugesprochen wurde, schließen

Die Gemeinde Koserow hat das Objekt einschließlich Bungalow-Siedlung von der Treuhand im Frühjahr 1991 zur wirtschaftlichen Verwertung übertragen bekommen, Nach vielem Schriftwechsel auf ministerieller Ebene und Verhandlungen mit der Gemeinde Koserow wurde dem Enkel des Erbauers, Dipl. Ing. Arnulf Parow, ein Pachtvertrag mit der Pflicht zur Eröffnung dieser maroden und jetzt nicht mehr zeitgemäßen Anlage angeboten.
Das Dach war an unzähligen Stellen undicht, so dass das Wasser in die darunter-liegenden Zimmer lief. Die Toiletten und Duschen waren veraltet, die Leitungen verrostet und die Decken verschimmelt. Das Mobiliar der Zimmer war zum Teil völlig abgenutzt und nur noch notdürftig zu verwenden. So dass selbst die Treuhandanstalt Berlin von einem nicht mehr wirtschaftlich zu betreibenden Ferienheim sprach.
Von dem Pächter, Arnulf Parow, und seinen hilfsbereiten Verwandten, die u.a. auch aus Norwegen anreisten, mussten deshalb bis zur zwangsverpflichteten Eröffnung am 01.07.1991 die wichtigsten Renovierungsarbeiten „auf die Schnelle“ durchgeführt werden.

Die endgültige Rückgabe durch die Treuhand bzw. das Bundesvermögensamt und gleichzeitige Beendigung der Koserower Pacht erfolgte nach vierjährigen äußerst komplizierten Verhandlungen im Dezember 1994. Ab diesem Zeitpunkt wurden nach und nach Investitionen zur Verbesserung der Ferienanlage vorgenommen.